Helferkreis Asyl Aulendorf beendet sein ehrenamtliches Engagement

Mit der Vermittlung von Willkommenskultur, Erstversorgung mit dem Nötigsten, Begleitung von 130 geflüchteten Familien und jungen Männern vorwiegend aus Syrien sowie mit der Hilfe beim Spracherwerb waren im Herbst 2016 die Ziele des Helferkreises Asyl Aulendorf  umschrieben. Nach einem Aufruf von Bürgermeister Burth fanden sich am Ende rund 50 Frauen und Männer aller Altersgruppen, ob berufstätig oder im Ruhestand, in einem Ehrenamt zusammen. Bewusst ohne Gründung eines Vereins wurden Gruppen gebildet, die ein Spendenlager aufbauten, Fahrdienste für Krankenhaus- oder Arztbesuche sowie Termine bei Behörden organisierten. Ein Spendenkonto wurde eingerichtet.

Das Engagement war vielschichtig und teilweise belastend. Niemand hatte Erfahrung mit Flüchtlingen aus Kriegsgebieten. So wurde im Laufe der Zeit der Kreis der Helfer, auch durch berufliche Verpflichtungen, stetig kleiner. Persönliche Gespräche in den Unterkünften, Hilfe bei der Beschaffung von Möbeln einschließlich Transport in die Unterkünfte, Organisation von Veranstaltungen (z. B. Teilnahme am Stadt- und Kinderfest), Unterstützung bei den Sprachkursen (ergänzt durch Einzelinitiativen), Hilfe bei der Wohnungssuche  und Begleitung in die Arbeitsprozesse wurden zu bleibenden Aufgaben, die bis in den Jahreswechsel 2020/21 reichten. 

Grundlage für alle diese Aktivitäten waren regelmäßige Kontaktgespräche mit der Stadtverwaltung, mit den Hauptamtlichen von Caritas, der Vhs, dem Landratsamt und der Agentur für Arbeit/Jobcenter. Bei Vernetzungstreffen mit dem Landratsamt und den Helferkreisen der Region gab es regen Erfahrungsaustausch. 

In Kooperation mit Stadt und Caritas wurde ein Cafe Asyl/Cafe Bunte Welt aus der Taufe gehoben, das sich zu einem wichtigen Treffpunkt am Samstagnachmittag entwickelte. Gemeinsam mit Stadt, Caritas und dem Berufsbildungswerk Adolf Aich gelang es dem Helferkreis, in Aulendorf eine Lernwerkstatt zu gründen. Für zwei Jahre hatten dort Geflüchtete die Möglichkeit, neben Sprachunterricht in unterschiedlichen Kursen die Grundfähigkeiten des Handwerks zu erlernen und in Praxissstellen unter Beweis zu stellen. Gefördert u.a. vom Europäischen Sozialfond fand die Lernwerkstatt Beachtung weit über die Region hinaus.

Glücklicherweise hat sich das Land Baden-Württemberg immer wieder entschieden, das Integrationsmanagement weiter zu fördern. Zusammen mit der Gründung des Familienzentrums im Jahr 2018 wurde mit dem Hofgartentreff eine Anlaufstelle nicht nur für Geflüchtete geschaffen. Für den Helferkreis bedeutete dies eine große Entlastung in Bezug auf die Hilfe bei Anträgen und Behördengängen, zumal professionelle Kräfte besser in diesem Bereich ausgebildet sind.

Mit der Erst- und Anschlussunterbringung in zunächst zwei Wohncontainern, im ehemaligen Alten- und Pflegeheim sowie in zwei stadteigenen Häusern konnte zumindest für die Anfangszeit eine akzeptable Unterbringung erfolgen. Nachdem einige Verträge der Erstunterbringung ausliefen, wurde für die Stadt und den Helferkreis eine der schwierigsten Aufgaben deutlich: die Suche nach bezahlbarem

Wohnraum. Wenngleich auch durch private Initiativen einige positive Ergebnisse zu verzeichnen waren, verbleibt doch das dringende Erfordernis der Wohnraumbeschaffung auf der Tagesordnung. Zu viele Menschen befinden sich noch in der Erstunterbringung.

Zwischenzeitlich stehen die meisten Flüchtlinge auf eigenen Füßen, haben teilweise eine Festanstellung, einen Ausbildungsplatz oder eine Teilbeschäftigung gefunden. Es zeigt sich, dass die meisten im Alltag gut zurechtkommen; andere haben noch Schwierigkeiten, können jedoch durch die Hauptamtlichen aus dem Integrationsmanagement weiter begleitet werden.

Zeitgleich mit der Corona-Pandemie sind viele Kontakte zwischen den Helfer-/innen und den Flüchtlingen eingebrochen. Zum einen bedingt durch die Zugehörigkeit zu den Risikogruppen, zum anderen auch aus beruflichen Gründen. Der Helferkreis hat indessen auch generell erkannt, dass die ehemals erbrachten Leistungen nicht mehr erforderlich sind. Das ehrenamtliche Engagement sieht er somit als beendet an. Unberührt davon werden die entstandenen Kontakte und Beziehungen zu den Beteiligten auf privater Ebene weitergeführt.

Das Spendenkonto wird aufgelöst, die verbleibenden Mittel werden der Caritas für die Arbeit in Aulendorf (Hofgarten-/Familientreff, Integrationsmanagement oder dgl.) zur Verfügung gestellt.

 

 

 

 

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